R E P O R T A G E

Between movement & memory

„Wie, du hast keinen fotografischen Schwerpunkt??? Man muss doch einen haben! Sonst weiß doch niemand, was du genau machst mit der Kamera, oder?? Habe neulich wieder gelesen, wie wichtig das für euch Fotografen ist …!! “ Keine Ahnung, wie oft mich Fragen und gutgemeinte Sprüche dieser Art innerlich aus dem Konzept gebracht haben. Und es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich verstanden habe, warum es für Wesen wie mich undenkbar ist, sich auf einen fotografischen Schwerpunkt oder gar EIN Genre festzulegen. Denn mir ging es nie um das blosse perfekte Bild, dem Beherrschen von physikalischen Zusammenhängen, Trendästhetiken und dem vermeintlich perfekten Motiv, sondern rückblickend immer um Bildräume, die es mir ermöglichen, mich selbst zu sortieren. Die Wechselbewegung aus Dichte und Rückzug, Stadt und Ruhe, Reiz und Leere, Stille und Klang: das war und ist die eigentliche Grundvoraussetzung meiner fotografischen Arbeit. Bilder sind für mich nicht Motive – sondern Resonanz.

Ob Menschen auf Brücken, leere Strassen, ruhende Wasserflächen oder stille Horizonte, dunkle Übergänge bis hin zur Klarheit – der Wunsch nach Zwischenräumen und Reflexionen ist immer da und treibt mich an. Irgendetwas zwischen Filmstil (für mich als bekennende Cineastin extrem wichtig, grins) – Essay und Beobachtung. Die Ruhe im Chaos, Geometrie gegenüber permanenter Reizüberflutung. Stille Räume, urbane Bewegung, Lichtspuren, atmende Stadt, Fluchtlinien und schließlich die unverwechselbare atmosphärische Tiefe eines Moments. Eben keine inszenierte Standbilder – sondern eine Langzeitbeobachtung meiner eigenen Wahrnehmung. Der Versuch einer Erzählung, wie man innerhalb von Reiz und Chaos überlebt, wie man seine ganz eigenen Lichtachsen findet.

Und weiter ein- und ausatmet.