R E P O R T A G E

Between movement & memory

„Wie, du hast keinen fotografischen Schwerpunkt??? Man muss doch einen haben! Sonst weiß doch niemand, was du genau machst mit der Kamera, oder?? Habe neulich wieder gelesen, wie wichtig das für euch Freiberufler ist …!! “ Keine Ahnung, wie oft mich Fragen und Sprüche dieser Art innerlich aus dem Konzept gebracht haben. Natürlich wurden diese Menschen routiniert weggelächelt und aus meinem Leben verbannt, grins – aber es hat etwas gebraucht, bis ich verstanden habe, warum es für Wesen wie mich undenkbar ist, sich auf einen fotografischen Schwerpunkt festzulegen. Denn hier geht es nicht nur um das blosse perfekte Bild und Beherrschen von physikalischen Zusammenhängen. Hier geht es um das Erzählen. Das Beobachten. Das Wahrnehmen auf einer anderen, jedoch nicht weniger intensiven Ebene, als ich es aus der Musik und dem Schreiben heraus gewohnt bin.

Seit meiner ersten selbstverfassten Geschichte (natürlich über Pferde und Indianer!) fasziniert mich die Dokumentation und die Reisefotografie. Nicht das journalistisch-kühle, sondern das dazwischen, das poetische. Ob unterwegs, hinter den Kulissen oder mitten im Moment: Reportage bedeutet für mich Nähe aus der Distanz, Beobachtung und das richtige Gespür für Bilder, die über den Augenblick hinaus erzählen. Ich liebe es, mit meinen Bildern Lichtzustände, Spannung zwischen Weite und Intimität, Stimmungsschichten und die leise Dramaturgie des Geschehens um uns herum zu suchen und festzuhalten. Ob Brücken, Strassen, Wasserflächen oder Horizonte – für mich sind es innere Räume, meist Szenen aus etwas Größerem. Als bekennende Cineastin, Opernliebhaberin und Popcorn Junkie sind Fotos für mich nicht nur in inszenierte Standbilder – sondern persönliche visuelle Essays.