EDITORIAL — FINE ART PRINTS & EDITIONS
Im heutigen digitalen Zeitalter ist die Fotografie ein flüchtiger Moment geworden – ein kurzes Aufleuchten zwischen endlosen Schnappschüssen, ein Wischen mit dem Finger und der nächste Eindruck verdrängt bereits den vorherigen. Manche Arbeiten jedoch wollen mit Bedacht erzählt, gedruckt und erinnert werden. Die folgenden Editionen sind mehr als ein Portfolio mit Bildern, sondern ein kuratiertes visuelles Journal – quasi ein Hybrid aus Ausstellungskatalog, Reisetagebuch und atmosphärischem Essayband zugleich. Denn hinter jedem einzelnen Bild stecken wunderbare Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden.
AMSTERDAM – Perlgrau aus Gold
Die Bilderserie folgt bewusst keinem touristischen Blick, sondern sucht vielmehr die stillen, intensiven Momente des späten Sommertages einer Stadt, die tief einatmet. Vorbei an den Grachten im Abendlicht, architektonischen Lichtkörpern wie schwebende Blöcke über dem Wasser, schmalen Lichtachsen aus Backstein, Regenperlen auf Metall, von Grün überwucherte Hausboote und immer wieder vorbeiziehende Stimmen der vielen Radfahrer, ohne die Amsterdam nicht vollständig wäre. Der Atem dieser Stadt ist weitaus mehr als Fassade, sondern einladend nordisch, windig, offen und kontrastreich.
Und manchmal landet sogar ungefragt die Amsterdamer Oberschicht direkt neben dir am Kanal, wo es dann heisst, standesgemäß zu agieren. Sprich den fälligen Tribut in Form holländischer Pommes zu zahlen und parallel schnell die Kamera zu zücken – denn für Möwe EMMA gehts schlichtweg NUR ums Futter, nicht um Posen. Und während man sich so sein letztes Essen mit dieser distanzlosen beflügelten Intelligenz zwischen Hafenromantik und Asphalt teilt, wird klar, dass kaum ein Satz besser zu dieser Stadt passt als der von Carel Willink: „One belongs to Amsterdam as one belongs to old dreams.“
Die Arbeiten wurden vom 18. Oktober 2019 bis zum 22. November 2019 im Auftrag des Fördervereins des Jan Bouman Hauses in Potsdam ausgestellt.
BERLIN – Concrete and Light
BERLIN – nie bloße Kulisse, nie wirklich glatt und vor allem eines: nie fertig. Eine Stadt, die sich weniger über Schönheit definiert als über Reibung. Deren permanenter Übergang in Geschichte und Architektur dem aufmerksamen Auge ein schwer zu vergleichendes System aus Brüchen und Bewegungen, Betonachsen, Brachen und Lichtkorridoren präsentiert und somit unbeabsichtigt Räume formt, die weniger gesehen als gespürt werden müssen. Trutzige Fassaden werden zu Flächen, Menschen zu Bewegungen im Raum, skelettartige Baugerüste zu einprägsamen Monumenten urbaner Schönheit.
Eine Stadt, die man genauso gerne verlässt wie man in ihr ankommt. Einmal in ihr gefangen, lässt sie dich nicht mehr los. Und du gierst nach ihr wie ein tiefer Atemzug aus Asphalt in einer tropischen Hitzenacht.
„Berlin is a city condemned forever to becoming and never to being.“
(Karl Scheffler)
VIETNAM DIALOGUES – Saigon & South Coast Studies
VIETNAM DIALOGUES – entstanden im Mai 2017 während einer Reise quer durch den Süden Vietnams – ein fotografisches Journal über Nähe, Verdichtung und Fremdheit. Über das Ankommen in einer Stadt, deren Herzschlag unruhig pulsiert und trotz ihres Chaos oft lebendiger wirkt als die sterile Ordnung vieler europäischen Großstädte. Wo selbst die Ströme von endlos hupenden Motorrollern unter dem Neonlicht die tropisch schwere Luft in eine organische Sinfonie verwandeln und Gespräche sich irgendwo zwischen Strassenecken, Zigaretten und Uniformen verlieren. Dann wieder Fischersilhouetten im Sonnenaufgang Mui Nés, die im Gegenlicht zum Leben erwachen und die karge Weite der Landschaft, die trotz ihrer Härte und Einsamkeit malerisch wirkt.
„One never knows another human being.“
(Graham Greene)
BEYOND THE SEA – Morning Studies, Baltic Coast
BEYOND THE SEA zeigt Linien, Spiegelungen und offene Räume, die zu visuellen Resonanzflächen zwischen Mensch, Landschaft und Zeit verschmelzen. Bis heute unvergessen der unendlich scheinende Horizont, das frühe Licht und die stille Weite des Morgens kurz nach Sonnenaufgang.
„The sea, once it casts its spell, holds one in its net of wonder forever.“
(Jaques Yves Cousteau)
INTO FOREST – October Studies, Rügen
INTO FOREST vereint fotografische Arbeiten, die über Licht, Struktur und stille Übergänge im Naturraum mit Kraft und Poesie erzählen.
Die Serie bewegt sich zwischen organischer Ordnung, räumlicher Tiefe und fragmentierten Blicken auf den Wald als tiefe Erinnerung, Resonanzraum und lebendige Architektur.
„And into the forest I go to lose my mind and find my soul.“
(John Muir)




